Die hier vorgestellte Sprachreform beschäftigt sich mit der Verständigungsproblematik zwischen Arzt und Patient aufgrund der Anwendung der Fachsprache Latein im medizinischen Beratungsgespräch.

Zurzeit werden ca. 80 % des vom Arzt diktierten und gesprochenen Wortes vom Patienten nicht verstanden. Dies führt zu Anwendungsfehlern beider Einnahme von Medikamenten sowie bei der  Umsetzung von Behandlungsmethoden. Zum anderen erschwert es dem Patienten das Verständnis seiner selbst und der Vorgänge, die durch seine Erkrankung bei ihm ausgelöst wurden. Die lateinische Sprache ist für den Laien unverständlich. Und auch der in Deutschland ausgebildete Arzt spricht üblicherweise kein fließendes Latein. Die Begriffe der ärztlichen Fachsprache sind daher nur Bruchstücke einer der Vergangenheit angehörenden Gebärde.

Der Slogan „tote Sprache – toter Körper | lebendige Sprache – lebendiger Körper“ beschreibt den Sachverhalt in treffender Form. Dass das Bewusstsein des Menschen eine andere Ausrichtung erlangt, wenn eine Thematik in der ihm verständlichen gelebten Sprache vermittelt wird, ist eine Grundannahme, die bereits Luther für die Begründung der kirchlichen Reformation verwendet hat. Vor allem im Hinblick auf die von der Öffentlichkeit getragene und von vielen Institutionen angestrebte Mündigkeit des Patienten geht es darum, das von Luther begonnene eigenverantwortliche Selbstverständnis des Menschen in Fragen, die seine Existenz betreffen, fortzuführen und die medizinische Fachsprache ins Deutsche zu übertragen.

 

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